Schweden – Kernenergie – Endlager – 2018

Von Dipl.-Ing. Eberhard Wagner

Der aktuelle Stand der Nutzung der Kernenergie zur Elektrizitäts-Versorgung in Schweden wird dargelegt.
Der Beitrag ergänzt die Veröffentlichungen bei http://www.energie-fakten.de:

Und, interessant ist ebenfalls, wie löst Schweden die Verbringung von radioaktiven Reststoffen bzw. Abfällen – Endlager?

Kernkraftwerke (KKW) [Literatur 1]

Seit 1971 wird in – ehemals – 12 Anlagen (jüngste Anlage seit 1985) ein erheblicher Teil (etwa 50 %) des Strombedarfs durch KKW gedeckt.

Aufgrund einer Volksbefragung, beschloss der Schwedische Reichstag 1980, dass spätestens 2010 der Ausstieg aus der Kernenergie-Nutzung vollzogen sein soll. Auslöser war der Störfall im Kraftwerk Three-Mile-Island (USA 1979).

Infolge der Reaktor-Katastrophe in Tschernobyl (Sowjetunion 1986) wurde erneut das Risiko der Kernenergie diskutiert. Der Schwedische Reichstag beschloss 1997 eine Vorlage über „Eine nachhaltige Energieversorgung“. Diese bestimmte u. a. die Stilllegung von zwei Anlagen (Barsebäck 1 und 2).

Insgesamt war man sich bewusst, dass ein völliger Verzicht auf die Kernenergie, erhebliche Folgen für die Volkswirtschaft mit sich bringen werde. Die Einbußen der Stromerzeugung in den stillgelegten Anlagen wurden durch Leistungserhöhungen der weiter bestehenden Anlagen ausgeglichen.

Infolge der Diskussionen über die Fukushima-Störfälle (Japan 2011) wurden zwei weitere Anlagen, die wegen Nachrüstarbeiten außer Betrieb waren, nicht wieder angefahren und stillgelegt: Oskarshamn 1 und 2 im Jahr 2015 bzw. 2017. Entschieden wurde auch, die Kraftwerke Ringhals 1 und 2 (2019 bzw. 2020) stillzulegen. Die noch bestehenden sechs Kraftwerke sollen bis etwa 2045 betrieben werden.

Der wirtschaftliche Betrieb der KKW wurde durch niedrige Strompreise, eine zusätzliche Sondersteuer sowie eine Abfall-Behandlungsgebühr belastet. Die Betreiber eröffneten der Politik das wirtschaftliche „Aus“ der Kraftwerke um das Jahr 2020, mit der Konsequenz möglicher Blackouts.

2016 wurde deshalb von fünf Parteien (einschließlich Grüne und Sozialdemokraten) beschlossen, die Sondersteuer abzuschaffen und die gesetzlichen Regelungen von 2008 bestehen zu lassen. Diese bestimmen den möglichen Ersatz-Neubau von KKW an bestehenden Standorten und eine verstärkte Förderung der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien.

Dieser Kompromiss befriedigte offensichtlich die widerstreitenden Gruppen. Die „Kernkraft-Gegner“ sahen die beabsichtigte Beendigung der Kernenergie-Nutzung um 2045 als Erfolg. Die „Realisten“ fühlten sich in ihren Bedenken bestätigt, nur mit den KKW könne eine sichere Stromversorgung gewährleistet werden. Die nächsten Jahrzehnte würden zeigen, welche Notwendigkeiten zur Deckung des Strombedarfs sich ergeben.

Ein Aspekt des Kompromisses war wahrscheinlich der, dass der schwedische KKW-Betreiber Vattenfall, seine Geschäftstätigkeiten im Bereich Braunkohle (Kraftwerke, Tagebaue) in Deutschland (Lausitz) verkauft hat. Damit wurde die Auflage des Eigners (Schwedischer Staat) erfüllt, durch Vattenfall die jährliche Emission von 75 Mio. Tonnen CO2 einzusparen.

Diese Maßgabe erscheint merkwürdig, da der Schwedische Staat auf seinem Territorium selbst keine CO2-Emissions-Verminderung erreicht. Die Emissionen verbleiben in Deutschland. Schweden hat eine bedeutend hohe CO2-Freiheit bei der Stromproduktion (über 95 %). Dies infolge besonders der Nutzung der Wasserkraft und der Kernenergie. Maßnahmen zur CO2-Verminderung bei der Stromerzeugung wären eigentlich einerseits nicht notwendig und andererseits deshalb im eigenen Land auch nicht zu erreichen.

Der Besitz der deutschen Braunkohle-Kraftwerke und -Tagebaue in der Lausitz wurde von einem Tochterunternehmen der EPH (Prag, Tschechin) übernommen, das ist die Lausitz-Energie-AG, LEAG Cottbus.
Zu den CO2-Minderungserfolgen in Deutschland, besonders in Ost-Deutschland, siehe [2].
Nach wie vor bestehen in Schweden wohl grundsätzliche Bedenken, ohne KKW eine sichere und auch wirtschaftliche Stromversorgung dauerhaft zu erhalten.

Stromerzeugung 2017

Der Verband der Europäischen Netzbetreiber (Entsoe Brüssel) hat diese Daten für 2017 veröffentlicht [3]:

Bildschirmfoto 2018-06-13 um 10.36.08
Ersichtlich ist, dass die wesentlichen Energiequellen immer noch Wasserkraft und Kernenergie sind. Einen weiteren Ausbau der Wasserkraft wird es aus Gründen des Umweltschutzes nicht geben.

Endlager [4]

In Schweden wird seit etwa 1985 ein Endlager für schwache und mittelstarke radioaktive Reststoffe betrieben (Forsmark, unter der Ostseeküste).

Für das Verbringen von stark-radioaktiven Stoffen, wurden zwischen 1993 bis 2000 acht mögliche Standorte untersucht. Voraussetzung für einen potentiellen Standort war die Zustimmung der ansässigen Bevölkerung.

Zwei der Standorte (Storuman und Malo) schieden auf Grund von ablehnenden Gemeindereferenden – im Jahr 1995 bzw. 1997 – aus. Von den übrigen sechs (Östhammar, Nyköping, Tierp, Oskarshamn, Hultsfred und Älvkarleby) erschienen fünf als geeignet.

In die engere Wahl kamen die Standorte Östhammar (bei Forsmark), Oskarshamn und Tierp. Die Gemeinderäte von Östhammar und Oskarshamn genehmigten die Durchführung von Erkundungsbohrungen. Tierp lehnte mit einer knappen Mehrheit ab (25 zu 23 Stimmen).

Die Erkundungsbohrungen begannen 2002. 2009 entschied man sich für den Standort Forsmark, weil dort das Gestein eine höhere Wärmeleitfähigkeit als in Oskarshamn aufweist. Dadurch ist eine bessere Abführung der Nachzerfallswärme gegeben. Daraus ergeben sich ein geringerer Flächenbedarf und geringere Kosten (vorhandene Infrastruktur).

Die Gemeinde Oskarshamn hat aufgrund der Ablehnung „ihres“ Endlagerstandorts eine finanzielle Entschädigung erhalten.

Im März 2011 wurde der Antrag zur Errichtung eines Endlagers am Standort Forsmark bei den schwedischen Aufsichtsbehörden eingereicht. Der Bau soll 2020 beginnen. Das Endlager soll 2030 in Betrieb gehen.

Literatur, Informationen

[1] Inge Pierre: Gibt es eine Zukunft für die Kernenergie in Schweden,
Bulletin Nuklearforum Schweiz, 4/2016.

[2] Braunkohle-Nutzung und CO2-Emissionen in Deutschland:
CO2 – Hetzjagd auf die Braunkohle

[3] Daten – Rolf Schuster, Driedorf.

[4] Endlager – Links

 

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2 responses to “Schweden – Kernenergie – Endlager – 2018”

  1. howetzel says :

    LEAG ist Marke, die Unternehmensstruktur der LEAG: https://www.leag.de/de/unternehmen/

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