CO2 – Hetzjagd auf die Braunkohle

Die Ost-Braunkohle-Verstromung ist ab 1990 immer geringer geworden. Die Kraftwerke sind saniert und zum Teil neu gebaut worden. All dies hat zu einer erheblichen Verminderung der CO2-Emissionen geführt. Eine generelle Schuld der Braunkohle-Nutzung an der „CO2-Misere“, ist nicht gerechtfertigt.

Bemerkung

zur Politik im Allgemeinen – auch zur Energie-Politik

„Denn sie tun nicht, was sie wissen“

Peer Steinbrück in „Unterm Strich (2010)“; in Abwandlung des Filmtitels: «Denn sie wissen nicht, was sie tun». Es sollte besser lauten: Denn sie tun nicht, was sie wissen könnten/sollten/müssten.

Kurzfassung

Die Klimapolitik stellt die Minderung der CO2-Emissionen (Kohlendioxid) in den Vordergrund. Man meint, die globalen Lebensbedingungen dadurch erhalten und retten zu können. Der Elektrizitäts-Erzeugung aus Kohle (Steinkohle, Braunkohle) wird ein besonders großer CO2-Emissions-Anteil unterstellt. Kohle-Kraftwerke sollen deshalb deutschlandweit kurzfristig stillgelegt werden.

Der Beitrag befasst sich besonders mit der Braunkohle-Nutzung in Ost-Deutschland seit der Wende. Braunkohle hatte dort als vielfach genutzter Rohstoff eine enorme Bedeutung. Die „Braunkohle-Veredlungs-Industrie“ ist weitgehend zusammengebrochen – De-Industrialisierung.

Diese Nicht-Nutzung der Braunkohle in Ost-Deutschland, verbunden mit der CO2-Minderung, ist ein einmaliger, nicht wiederholbarer Vorgang. Die betroffenen Regionen haben dadurch einen bedeutenden wirtschaftlichen Niedergang erleiden müssen. Diese Entwicklung würde sich dramatisch fortsetzen, wenn man auf die Braunkohle als vielfältigen Wirtschaftsträger verzichten würde.

Es ist bisher wissenschaftlich nicht belegt worden, dass der CO2-Anstieg in der Luft eine bedeutende „Klima-Wirksamkeit“, Anstieg der Temperatur, im Sinne von zu erwartenden „Klima-Katastrophen“, verursacht hat. Die CO2-Minderungsziele sind deshalb von vorn herein äußerst fragwürdig. 

Die Nutzung Erneuerbarer Energien wird als Königsweg propagiert (Energiewende). Es wird verkannt, dass ohne konventionelle Kraftwerke, ein Versorgung nur mit Regenerativ-Kraftwerken, nicht möglich ist. Ohne Wärme-Kraftwerke – mit Kraft-Wärme-Kopplung – ist die Fernwärme-Versorgung (besonders in Großstädten) nicht möglich. Auch auf die Nutzung der Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung ist hinzuweisen.

Mündige Bürger erkennen in der Energiepolitik erhebliche Gefahren für den allgemeinen Wohlstand und die Umwelt. Deshalb ist diese Analyse entstanden.

Klima-Diskussion

Die Förderung der Nutzung Erneuerbarer Energien (Erneuerbare Energien-Gesetz – EEG, Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz – KWK-G, weitere Gesetze zur Energie-Einsparung durch Gebäude-Isolierungen und effizientere Haushalts-Geräte), wird durch „drohenden Klimawandel“ begründet. Dies wird mit der Emission von sog. Treibhausgasen in Verbindung gebracht. CO2 zählt zu den Treibhausgasen, wie auch Methan (CH4, ist wesentlicher Bestandteil im Erdgas), Lachgas (N2O), Fluorkohlen-Wasserstoffe (FCKW) sowie einige Schwefel- und Stickstoff-Verbindungen. Die Diskussion unterdrückt auffällig den Klima-Einfluss des Wasserdampfes als Luft-Bestandsteil.

Da dem CO2 die höchste Wirkung unterstellt wird, wird dieses Gas als der Teufel Nummer 1 angeprangert. Es bietet sich politisch an, besonders die Verstromung von Braunkohle an den Pranger zu stellen.

Klimapolitik gegen Wirtschaftspolitik

Die Verantwortlichen für die Wirtschafts-/Energie- und Umweltpolitik suchen – ersichtlich verzweifelt – nach Möglichkeiten, die CO2-Emissionen weiter zu vermindern. Es sind erhebliche Widersprüche zwischen der Wirtschaftspolitik und der Umweltpolitik erkennbar. Der Streit geht letztlich um den Wirtschafts-Standort Deutschland – wesentlich, um den zu erwartenden Verlust von Arbeitsplätzen.

Die Umweltpolitik sieht diese Problematik auffällig gelassen. Man ist sich offensichtlich über die Konsequenzen nicht im Klaren. Man meint, durch deutsches Handeln, den Untergang der Welt aufhalten zu müssen.

1990 betrugen die CO2-Emissionen 1.050 Mio. t. Das „Kyoto-Klima-Ziel 2012“ – minus 21 %, entspricht etwa 220 Mio. t CO2 – ist erreicht worden. Die Minderung, umgerechnet in CO2, deckt sich auffällig mit der Nichtförderung/Nichtnutzung von Braunkohle in den Ost-Regionen. Die „CO2-Erfolge“ werden offensichtlich auf dem Rücken Ost-Deutschlands gefeiert.

Nicht erreichbar wird die Zielvereinbarung 2020 mit „minus 40 %“ sein, das wäre eine zusätzliche Minderung von 200 Mio. t CO2.

Der, weitgehend umwelt-unwirksame CO2-Zertifikate-Handel, wird hier nicht behandelt. 

Klima-Wissenschaft

Es besteht keineswegs Einvernehmen über die Klima-Wirkung von Treibhausgasen, besonders des CO2. Ebenso distanziert wird über „Klima-Katastrophen“ diskutiert. Wenn die Meteorologen, Klima als mathematischen „30-Jahre-Mittelwert des Wettergeschehens“ definieren, dürfte nicht nur vom „Klimaschutz“, sondern müsste logischerweise auch vom „Wetterschutz“ geredet werden. Bei dem Begriff „Wetterschutz“ kommen Zweifel auf: Wie will man das Wetter schützen? Wie soll ein mathematischer Mittelwert geschützt werden?

Klima-Veränderungen hat es immer gegeben. Warme Zeiten waren immer gute Zeiten für Mensch und Tier. Die Modelle zur Vorhersage von Klima-Veränderungen zeigen sich als untauglich. Diese sind nicht in der Lage aus historischen Wetter-Daten das heutige Klima „vorherzusagen/zu berechnen“. Das IPCC (Internationale Gruppierung zur „Erforschung des Klimawandels“ bei der UNO), räumt ein, dass das Klima „(mathematisch) ein nichtlineares, chaotisches System sei, dass Vorhersagen über zukünftige Entwicklungen nicht zulasse“.

Es ist merkwürdig, dass aufgrund dieser Fakten, die Politik, nach Art der Lemminge, an einen Abgrund rennt. Siehe Literaturhinweise [1 – 4]. 

Die alleinige Verteufelung des CO2 ist nicht gerechtfertigt. CO2 ist ein Lebensmittel. Ohne CO2 gäbe es keine Pflanzen – ohne Pflanzen kein Sauerstoff – ohne Sauerstoff kein Leben. Die Niederländer fördern den Gemüse-Anbau in ihren Gewächshäusern durch CO2-Begasung. Gleiches gilt für die Luther-Tomate in Gewächshäusern in Wittenberg. Diese erfreut sich bester Wuchs-Bedingungen.

Braunkohle – Förderung und Verbrauch

Die gesamte Förderung/Verbrauch von Braunkohle in Deutschland betrug 1990 etwa 355 Mio. t [6]. In den Alten-Ländern waren es etwa 105 Mio. t, in den Neuen-Ländern etwa 250 Mio. t. In den Alten-Ländern wurde Braunkohle fast ausschließlich in Kraftwerken eingesetzt.

In den Neuen-Ländern war Braunkohle nicht nur der alleinige Brennstoff in Kraftwerken (auch mit Wärme-Auskopplung) und Heizwerken, sondern war der Energie- und Chemie-Rohstoff [5]. Braunkohle wurde für den Hausbrand (Briketts), für die Umwandlung in Stadtgas (DDR-Stadtgasnetz, Gas-Kombinat Schwarze Pumpe), zur Produktion von Karbid (Azetylen) und für die Kohleverflüssigung (Schwarze Heide) genutzt. Die DDR-Wirtschaftspolitik sah noch Ende der 1980er Jahre vor, etwa 80 % der Förderung aus neu-aufzuschließenden Braunkohle-Feldern für die Chemie-Industrie bereitzustellen.

Diese Industrie-Bereiche sind als CO2-Emitenten nach der Wende weitgehend „untergegangen“. Ursachen der gewaltigen De-Industrialisierungs-Effekte waren die Vervierfachung der Preise durch die Einführung der D-Mark, mangelnde Konkurrenzfähigkeit und der Verlust der DDR-Ost-Auslandsmärkte.

Der Braunkohle-Abbau ging jährlich um etwa 170 Mio. t zurück. Er betrug 2013 etwa 80 Mio. t.

Umgerechnet ergibt sich ein Jahres-CO2-Minderungsbetrag von mindestens 200 Mio. t CO2

Hinweise und Rechenhilfen:
Die Kraftwerke (Strom und Wärme) der allgemeinen Versorgung emittierten 1990 etwa 340 Mio. t CO2, 2013 waren es etwa 320 Mio. t CO2. Die spezifischen Werte sind 1,07 kg CO2 pro kWh (1990) und 0,92 kg CO2 pro kWh (2013). Für Überschlags-Rechnungen ist derzeit der Vergleich „1 kg CO2 pro 1 kWh Strom“ brauchbar. Besonderheit: Der Emissionswert für Kraftwerke in den Neuen-Ländern betrug, aufgrund der Technik und dem Alter der Kraftwerke, 1990 noch etwa 1,39 kg pro 1 kWh.

Ergebnis:
Es zeigt sich, dass die Ost-Braunkohle den allergrößten Teil, wenn nicht überhaupt den gesamten CO2-Minderungsbetrag in Deutschland bis heute erbracht hat. Dieser Effekt ist ein „Einmal-Vorgang“, der sich nicht wiederholen lässt. 

Elektrizitäts-Erzeugung aus Braunkohle

Braunkohle-Nutzung ab 1990

Die Stromerzeugung aus Braunkohle erfolgt an vier Standorten: Köln/Aachen (Rheinisches Revier), Cottbus (Lausitz-Revier), Leipzig (Mitteldeutsches Revier); geringe Mengen werden im Raum Helmstedt gefördert. Eine Analyse der Stromerzeugung (1 TWh (Terawattstunden) = 1 Milliarde kWh) in den Kraftwerken der allgemeinen Versorgung ergibt auffällige Differenzen zwischen den Daten 1990 und 1994. Daten siehe Anhang.

Die Kraftwerke „Neue-Länder“ verminderten die Erzeugung um etwa 22 TWh, alle Länder um etwa 26 TWh. Hieraus ist abzuleiten, dass die Kraftwerke in den Neuen-Ländern, umgerechnet, den größten Anteil der CO2-Minderung erbracht haben (siehe vor).

Braunkohle-Kraftwerke [6]

Von seinerzeit etwa 14.000 MW Braunkohle-Kraftwerksleistung in den Neuen-Ländern existieren noch etwa 10.000 MW – mit einem bedeutendem Anteil in Kraft-Wärme-Kopplung (z. B. Fernwärme-Versorgung für Ost-Berlin, Frankfurt (Oder) – Heizwerk, Leipzig, Chemnitz (auch KWK-Kälte-Kopplung), Cottbus). Alle bestehenden Kraftwerke sind neu gebaut bzw. grundlegend modernisiert worden, sie haben deshalb sehr hohe Wirkungsgrade.

Die gesamte Leistung aller deutschen Braunkohle-Kraftwerke mit den Anlagen der Industrie, betragen derzeit etwa 22.000 MW.

Der politische Druck, diese Anlagen stillzulegen, erscheint absurd. Die Fernwärme-Versorgung würde ggf. mutwillig zerstört. Den Regionen würden wegen vielfältiger Verflechtungen (Industrie, Folgeprodukte), die wirtschaftlichen Grundlagen brutal entzogen werden.

Versorgungs-Sicherheit

Die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien (Wind und Sonne) zeigen erhebliche Schwankungen. Viertelstunden-Leistungs-Mittelwerte erreichen vielfach bei den Windanlagen monatliche Tiefstwerte unter 100 MW [7]. Dies bei einer installierten Leistung von derzeit etwa 40.000 MW. Die installierte Leistung der PV-Anlagen beträgt derzeit etwa 38.000 MW. Allerdings: Nachts scheint die Sonne nicht, im Winter nur mäßig.

Dunkelflaute

Es bleibt das Geheimnis der Wind- und Sonnen-Lobby, der Energie-Politiker, sowie erstaunlicherweise weiter Kreise von Energie-Wissenschaftlern, wie unter diesen Bedingungen, eine sichere Versorgung gewährleistet werden kann. Im Netzentwicklungsplan 2015 (Bundesnetzagentur) findet sich der Begriff „Dunkelflaute“. Diese Wortwahl sollte zu denken geben.

Leistungs-Bilanz

Mit den anderen EEG-Anlagen (Wasserkraft, Biomasse usw.), den KWK-Anlagen, sowie den politischen Zubau-Vorgaben, ergibt sich eine installierte Leistung im Jahre 2020 von weit über 200.000 MW. Hinzuzurechnen ist die notwendige konventionelle Kraftwerksleistung von etwa 80.000 MW (siehe unten)! Die Verbraucher benötigen aber nur eine Leistung von 30.000 MW (Sommer, Wochenende) bis 80.000 MW (Winter, Höchst-Lasttag) [8].

Es tut sich ein Widerspruch auf. Einerseits reichen die EEG-Stromerzeugungsmengen (kWh, MWh) nicht aus. Andererseits ist die „Erneuerbare“ Kraftwerksleistung (kW, MW) bei Starkwind und Starksonne gigantisch groß. Wegen der Stabilitäts-Bedingen der Versorgung (sekundliche Gleichheit zwischen Leistungs-Bedarf und Leistungs-Bereitstellung, Spannung, Frequenz), muss es deshalb zeitweise zum Abregeln/Absteuern der Wind- und PV-Anlagen kommen.

Volkswirtschaftlicher Irrsinn

Das wiederum muss zu Erzeugungseinbußen, mit wirtschaftlichen Konsequenzen für die Betreiber führen. Infolge des überbordenden Zubaus (Gabriel-Ausbau-Korridor) muss sich zunehmend eine EEG-Anlagen-Kannibalisierung einstellen [8, sowie Internet Suchbegriffe „Energiefalle“, „Strompreis-Irrgarten“]. Das erkennbare Dilemma wird derzeit durch die Vergütung auch von nicht erzeugtem Strom und durch Strom-Zwangs-Exporte mit Zuzahlungen verschleiert. Wie lange noch sollen die Stromverbraucher diesen volkswirtschaftlichen Irrsinn bezahlen?

Strom-Speicher

Speicher, die die Ungleichheiten beheben könnten, gibt es nicht. Die bestehenden Pumpspeicher-Kraftwerke haben eine Kapazität von etwa 1/40 des Strom-Tages-Bedarfs. Ihr Betrieb ist derzeit völlig unwirtschaftlich. Die sog. Mittagsspitze wird weitgehend durch PV-Anlagen gedeckt (Einschränkung im Winter). Dadurch werden die notwendigen Betriebsstunden für einen wirtschaftlichen Betrieb nicht mehr erreicht. Die Netzkosten, auch für den Pumpstrom, erweisen sich letztendlich als ruinös. Infolge §118 (6) EnWG (Energiewirtschaftsgesetz) werden die Anlagen diskriminiert. Zur Speicherproblematik siehe [9]. Welchen Sinn machen politische Forderungen zum Bau von Speichern?

Netzentwicklungsplan 2035

Wie unwahrhaftig die gesamte Diskussion ist, zeigt der (amtliche) „Netzentwicklungsplan 2015“. Dieser wird von der Bundesnetzagentur und den Übertragungs-Netzbetreibern erarbeitet.

In einer Variante für das Jahr 2035 wird für die Strom-Netz-Planung immer noch eine konventionelle Kraftwerksleistung (also Kohlen, Gas) von gewaltigen 82.300 MW berücksichtigt.

Erstaunt fragt man sich: Was denn nun? Einerseits soll der Betrieb sämtlicher Kraftwerke, die mit fossilen Brennstoffen befeuert werden, „verboten“ werden. Andererseits erkennen mindestens die Übertragungs-Netzbetreiber, die Notwendigkeit eines Grundbestandes von steuerbaren Kraftwerken.

Stabiles Stromnetz

Ohne konventionelle Kraftwerke kann kein elektrisch stabiles Netz betrieben und damit eine gesicherte Leistung bereitgestellt werden. Alle Regenerativ-Anlagen sind gnadenlos auf das Stromnetz angewiesen. Würde man auf konventionelle Kraftwerke verzichten wollen, so ergäbe sich eine totale Abhängigkeit vom benachbarten Ausland. In aller Konsequenz müsste die Verantwortung für den Netzbetrieb dann an das Ausland gegeben werden. Die Ausländer werden gegen königliches Entgelt gerne einspringen, wenn sie können, d. h., wenn sie nicht selber in Versorgungsnöten stecken, z. B. infolge von Extrem-Wintern in Südfrankreich.

Blick auf die Kühltürme

Zur Dramatisierung der Hässlichkeit und Umwelt-Unverträglichkeit der Kohle-Kraftwerke eignen sich besonders Bilder der Kühltürme mit ihren „Wolken“.

Die austretenden „Schwaden“ werden von Laien gleichgesetzt mit Rauchgasen, also CO2. Kühltürme haben den Zweck, das Kühlwasser, welches zur Kondensation des Dampfes am Ende der Dampfturbinen notwendig ist, als Abwärme wieder der Umgebung zuzuführen.

Es gibt mehrere Kühlverfahren. Je niedriger die Kühlwasser-Temperatur ist, desto besser ist der Wirkungsgrad der Energieumsetzung – desto niedriger ist der Brennstoff-Bedarf. Siehe [10].

Die „Schwaden“ bestehen in der Regel nur aus Wasserdampf. Das Wasser regnet an anderen Orten wieder ab. Sind bei einem Kraftwerk keine Schornsteine vorhanden, werden die Rauchgase zusammen mit dem Wasserdampf gemischt. Dieses Verfahren ist auch durch die Rauchgas-Reinigungs-Verfahren (Entschwefelung, Entstickung) erforderlich. Die Rauchgase haben eine zu geringe Temperatur, um mit einem Schornstein die Forderungen des Immissionsschutzes erfüllen zu können (mangelnder Auftrieb, der Schornstein „zieht“ nicht). Das Rauchgas ist in den Wasserdampf-Schwaden optisch nicht erkennbar.

Braunkohle-Tagebau, Rekultivierung

Braunkohle liegt relativ nahe der Erdoberfläche. Sie wird typisch in „Tagebauen“ gewonnen. Die Betreiber sind verpflichtet, die „ausgekohlten“ Flächen wieder in einen naturnahen Zustand zu versetzen. Hierzu muss ein erheblicher Aufwand betrieben werden (Bergrecht, Genehmigungen). Durch gezielte Ablagerung des Abraums (Deckschicht über den eigentlichen Kohle-Vorkommen) entstehen neue, beliebig hügelige Landschaften und Wasserflächen (Seen). Beides wird von der Bevölkerung als Erholungsgebiet, Wandergebiet, Wassersportgebiet anerkannt und genutzt. Andere Flächen werden wieder für die Land- und Forstwirtschaft hergerichtet.

Die Tagebaue führen wegen ihres Flächenbedarfs leider auch zum Abriss von Ortschaften. Die Betreiber sind in diesen Fällen verpflichtet, vollständigen Ersatz für „Haus und Hof“, sowie die verlorene Infrastruktur zu schaffen. Auch das Vereinsleben wird erhalten. So ist z. B. ab 1985 in Folge des Tagebaus „Jänschwalde“ aus dem Ort „Horno“ anderen Orts „Neu-Horno“ entstanden.

Die betroffene Bevölkerung ist bei der Errichtung oder Erweiterung von Tagebauen typisch gespalten. In Gegner, in Gleichgültige und in Befürworter. Allen gemeinsam ist die „Erkenntnis und Erwartung“, dass durch eine Umsiedlung, eine totale Sanierung ihrer Häuser usw. verbunden ist.

Flächenbedarf

Der Bedarf an Braunkohle-Abbauflächen erscheint groß. Die derzeit in Anspruch genommen „Betriebs-Fläche“ aller Tagebaue beträgt etwa 550 km2 (Quadratkilometer), rechnerisch etwa 24 km mal 24 km. Die Flächen werden mehrere Jahrzehnte beansprucht (erhebliche Ortsabhängigkeit, Nachholbedarf in Ost-Deutschland gerade wegen des ungeplanten Abbruchs der Förderung in der Nachwendezeit). Die gesamte Land-Inanspruchnahme aller Tagebaue seit jeher, beträgt etwa 1.750 km2 (42 km mal 42 km).

Ein Vergleich mit dem Flächenbedarf anderer „Energie-Nutzungen“ zeigt:
Der Flächenbedarf der PV-Anlagen auf ehemaligen Acker- und Wiesen-Flächen, beträgt bereits etwa 150 km2, dies bei einer installierten Leistung von etwa 10.000 MW, das ergibt einen „Leistungs-Ertrag“ von etwa 67 MW pro km2.

Die Windanlagen beanspruchen bereits etwa 10.000 km2 (etwa 4 MW pro km2). Dabei erstreckt sich die optische Wirkung auf das Mehrfache dieser Fläche.

Wenn Biomasse-Anlagen auf besonders angebaute Pflanzen angewiesen sind (Mais, Rüben, Raps, Dünnholz), setzt dies gewaltige Mono-Kulturen voraus. Ob dies in aller Konsequenz ein akzeptabler Weg ist, bleibe dahin gestellt. Biomassen haben einen Leistungs-Ertrag von etwa 2 kW-elektrisch pro Hektar, das sind 0,2 MW pro km2.

Resümee

Das gesamte Energiewende-Szenario erscheint als völlig unausgegoren. Klimaveränderungen, als Begründungen für eine Energiewende, werden wissenschaftlich nicht zwingend belegt [1, 2]. Die derzeitigen Lebensbedingungen sollten mit denen der Vergangenheit [4] verglichen werden.

Eine ausschließliche Strom-Versorgung mit Erneuerbaren Energien ist nicht möglich (Dunkelflaute). Es müssen weiterhin konventionelle Kraftwerke/klassische Kraftwerke mit einer Leistung annähernd in Größe der Jahres-Höchstlast (70.000 bis 80.000 MW) vorhanden sein. Dieser Wert kann durch die beabsichtigten bzw. verordneten „Einsparungen“ vermindert werden. Gegen ein privates bzw. industrielles Sparverhalten wird niemand etwa einwenden – ein Gebot der Jedermann-Vernunft.

Da der deutsche Steinkohlen-Bergbau in wenigen Jahren sein Ende finden wird (2018), wären die entsprechenden Kraftwerke auf Importkohlen angewiesen. Das wird so eintreten.

Die häufig geforderten Gas-Kraftwerke sind von der Verfügbarkeit und vom Preis des Import-Erdgases abhängig.

Die Niederländer beziehen derzeit Braunkohlestrom aus Deutschland. Weil, Deutsch-Strom ist preiswerter als der Betrieb eigener Gaskraftwerke.

Für eine gesicherte Stromversorgung in Deutschland verbleibt offensichtlich nur die dauerhaft (300 Jahre plus) verfügbare Braunkohle. Den Kraftwerken ist allerdings ein technisch und wirtschaftlich notwendiger Mindest-Leistungsbetrieb zu gewährleisten. Ist auch das nicht möglich, muss die Politik eine Subvention für einen Kapazitätsmarkt einführen. Das Bereithalten von Kraftwerks-Leistung muss nun mal bezahlt werden. Welche Kraftwerksarten sollen es denn sein?

Hier ein Vorschlag zur Finanzierung: Da alle Regenerativ-Kraftwerke auf das – stabile – Stromnetz angewiesen sind, müssen diese mit einem sog. Parallelfahr-Entgelt belegt werden (EEG-Maut). Dieses System ist seit Jahrzehnten bekannt. Überschlag: 1 Cent pro kWh würde derzeit mehr als 1 Mrd. Euro pro Jahr erbringen.

Wenn sich die Politik weiterhin über diese Fakten hinwegsetzt, wird sich Deutschland schlimmerweise auf dem Trip in eine Zweite-Welt-Nation bewegen.

Literatur-Hinweise

  1. Vahrenholt F., Lüning S.: Die Kalte Sonne.
  2. Lüdecke H.-J.: Energie und Klima.
  3. Laframboise D.: Von einem Jugendstraftäter, der mit den besten Klimaexperten der Welt verwechselt wurde (Eine kritische Beschreibung der Arbeit des IPCC).
  4. Düwel-Hösselbarth W.: Ernteglück und Hungersnot, 800 Jahre Klima und Leben in Württemberg.
  5. Kahlert J.: Die Energiepolitik der DDR, Friedrich-Ebert-Stiftung, 1988.
  6. www.kohlestatistik.de
  7. EEX-Strombörse Leipzig
  8. Dena: „Paradoxer geht es nicht“, Handelsblatt, 29.1.2014.
  9. Sinn H.-W.: Energiewende ins Nichts.
  10. Wagner, E.:
    Kühlwasser – Warum benötigen Wärmekraftwerke dies? Energie-Fakten, 2003.
    Abwärme – Kann man das Kühlwasser von Kraftwerken nutzen? Energie-Fakten, 2002.
    Wie ist das mit dem Wasser und Wasserdampf in thermischen Kraftwerken? Energie-Fakten, 2006.

Der Verfasser dankt Dipl.-Phys. Horst Wetzel für Hinweise.

Anhang

Stromerzeugung aus Braunkohle
in TWh

Alte Länder
Neue Länder
Alle Länder
netto
netto
netto
brutto
1990
76,8
73,2
150,3
170,9
1991
79,4
61,3
140,7
1992
82,7
58,4
141,0
1993
70,8
52,9
135,8
1994
72,6
51,2
123,8
1995
142,6
2000
148,3
2005
154,1
2010
145,9
2012
160,7
2013
162,0

Daten: VDEW, AGEB.
Ab 1994 liegen keine Einzel-Daten für „Alte-Länder“ bzw. „Neue-Länder“ vor.
„ …“ Daten nicht recherchiert.

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3 responses to “CO2 – Hetzjagd auf die Braunkohle”

  1. Heiner Gathmann says :

    Eine aufschlussreiche, sehr dankenswerte Arbeit für alle diejenigen, die sie nutzen können und wollen. Den Verlauf der sog. Energiewende bestimmen aber zumindest vorläufig noch diejenigen, die die geschilderten Zusammenhänge entweder nicht verstehen können oder nicht verstehen wollen.

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